Malou

Es war mal wieder so weit. Das ständige Zerren und Ziehen an der Leine nervte mich so dermaßen, dass ich dies nicht länger hinnehmen wollte. Hatte ich nicht neulich an der Tankstelle eine ansprechende Visitenkarte einer mobilen Hundetrainerin eingepackt? Warum eigentlich? Keine Ahnung. Irgendwie war sie durch Zauberhand in meiner Geldbörse gelandet. Herausgefischt und angerufen. Kirsten und ich telefonierten lange und ausgiebig. Eins wollte ich klarstellen, meine 3 jährige Aussiehündin sollte keine Marionette werden. Kadavergehorsam ist mir zuwider. Ich erzählte Kirsten, dass nur das an der Leine laufen nicht gut klappte, sonst hätte ich den perfekten Hund, mit eigenem großartigen Charakter, und das sollte auch so bleiben. Ok, wenn ich mir Jacke und Schuhe anzog und die Treppe zur Haustüre herunter ging, stürmte sie auch immer an mir vorbei, was ich seit nunmehr drei Jahren täglich mit ihr ausdiskutierte. Aber ansonsten war sie perfekt! Ich hatte bereits mit mehreren Hundetrainern gearbeitet, aber keiner konnte mir helfen, obwohl ich mich strikt an die Anweisungen der Trainer gehalten habe. Malou zog nach wie vor weiter an der Leine.

 

Kirsten kam direkt am nächsten Tag zu mir nach Hause. Sie erklärte mir viel über Hunde, wie sie ticken und was man im Zusammenleben mit ihnen zu beachten hat. Sie erklärte mir auch, dass Malou zwar alle Kommandos wie Sitz, Platz und Bleib gut beherrschte, sie aber eigentlich nur „dressiert“ ist. Also genau das, was ich nicht haben wollte, eine Marionette. Zu diesem Zeitpunkt habe ich das so nicht gesehen. Heute weiss ich genau, was Kirsten meinte.

 

Wir besprachen dann, die weitere Vorgehensweise der ersten Trainingsstunde - und schon ging es los zum Gassi gehen. Erst ging ich mit Malou spazieren. Es war wie immer eine Katastrophe. Danach gingen wir wieder rein, Kirsten erklärte mir, was ich falsch machte und worauf ich zu achten habe. Dann ging sie mit Malou vor die Türe. Ich konnte es nicht glauben. Malou lief völlig ruhig, ohne zu ziehen oder zu zerren neben Kirsten an der Leine. So, nun war ich dran. Ich war sicher, dass es bei mir nicht klappen würde. Aber auch bei mir funktionierte es super. Nach nur 10 Minuten war das Thema Leinelaufen geklärt. Auch beim Fertigmachen zum Spaziergang gab es sofort eine signifikante Verbesserung. Malou lag einfach ruhig und entspannt da bis man sie von ihrem Platz abholte. Und sie überholte mich auch nicht mehr auf der Treppe.

 

Kirsten fragte mich, ob es sonst noch Probleme gab. Ok jetzt wo sie ja schon da war, konnte ich auch zugeben, dass Malou einen tierischen Aufstand zum Besten gab, wenn ich mit ihr Auto fuhr. Sie war jedes Mal fürchterlich gestresst, hechelte, junkte und jaulte und kam einfach nicht zur Ruhe.

 

Also ab mit Kirsten und  Malou ins Auto. Und auch hier stellte sich nach wenigen Minuten eine drastische Verbesserung ein. Malou lag tatsächlich entspannt im Kofferraum und gab keinen Pips von sich. Nach der Trainingseinheit fiel ich Kirsten um den Hals und musste vor lauter Erleichterung weinen. Malou war noch nie so entspannt im Auto gefahren. Erst da wurde mir klar, was das für ein Leidensdruck war.

 

Kirsten erklärte mir dann, dass es da noch mehr Baustellen gab, als ich es mir eingestehen wollte.

 

Also hieß unsere Aufgabe ab sofort, Malou Grenzen setzen und ihr klar zu machen, dass die Menschen Chef sind und sie sich entspannen kann. Das fand Malou zunächst leider gar nicht lustig und begann zu testen. Sie stellte nun mich, alles und jeden in Frage, alle Dinge, die bis dahin funktionierten. Es klappte erstmal bis auf das Spazieren gehen gar nichts mehr. Kirsten versicherte mir, dass es auf jeden Fall voran gehen würde, ich sei nur zu ungeduldig und meine Energie dem Hund gegenüber stimme nicht. Daher verhielt sich Malou mir gegenüber so.

 

Also hieß es erstmal durchhalten und weitermachen. Nach nur wenigen - aber für mich sehr harten Tagen -  stellten sich dann tatsächlich die ersten Verbesserungen ein. Malou wurde von Tag zu Tag entspannter. Mittlerweile haben wir 2 Einzeltrainings mit Kirsten absolviert und auch an ein paar Gruppenstunden teilgenommen. Malou hat sich sehr gut entwickelt und ich kann nun sogar gemeinsam mit meinem Freund und Malou spazieren gehen, was vorher ein unmögliches Unterfangen war. Auch andere Kleinigkeiten funktionieren mittlerweile wie selbstverständlich.

 

Es ist noch ein weiter Weg bis Malou so entspannt ist, wie wir uns das wünschen, aber wir sind dank Kirsten auf dem richtigen Weg.

 

Vera Windeln mit Malou